Geschichte

Chronik

Der Schützenverein 1862 e.V. Groß-Umstadt ist einer der traditionsreichsten Vereine unserer Gegend.
Schützenkompanien existieren im Dieburger Land in den befestigten Städten Babenhausen, Dieburg und Groß-Umstadt bereits zu Beginn der Renaissance. Erste urkundliche Erwähnungen einer Schützencompanie in Groß-Umstadt sind 1454 und 1569 zu finden. Kurz nach der Gründung des Deutschen Schützenbundes
im Jahre 1861 in Gotha wurde unser Verein im Jahre 1862 auf Initiative des hiesigen Försters Wilhelm Rödel
und 16 weiterer Umstädter Bürger gegründet und zwar weitestgehend in seiner heutigen Form. Am 18. Oktober
1863 trat dieser Schützenverein bei der Feier zur fünfzigsten Wiederkehr des Sieges über Napoleon in der
Völkerschlacht bei Leipzig erstmals mit einer eigenen Fahne in der Öffentlichkeit auf. Diese heute noch vorhandene
Fahne wurde bemalt und von Schützendamen bestickt und im Jahre 1885 geweiht. Alter Tradition folgend trägt
sie den Spruch: „Üb´ Aug´ und Hand fürs Vaterland.

Während bei den Schützenkompanie in erster Linie der Umgang mit der Waffe zum Zwecke der Verteidigung des
Vaterlandes erlernt und geübt wurde, stand beim Schützenverein 1862 e.V. Groß-Umstadt von Anfang an das
sportliche Schießen und damit der Wettkampf im Vordergrund. Der Verein entwickelte sich und konnte auf seiner
Anlage auch Bezirksmeisterschaften ausrichten. Die Entwicklung fand ihr jähes Ende 1938, als sämtliche Sportvereine,
auch Schützenvereine durch das damalige Regime aufgelöst und in den Reichs-Sportbund überführt wurden.
Erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges lebte der Schützenverein 1953 durch die Initiative der Schützenbrüder
Dr. Wilhelm Hauck und Dr. Walter Wüst wieder auf. Zur Wiedergründungsfeier am 4. Oktober 1953 waren zwanzig
ehemalige Vereinsmitglieder und neue Freunde erschienen. Unser Verein wurde mit geringen Änderungen in der
Satzung praktisch in der Form von 1862 wiedergegründet, so dass wir nunmehr auf 140 Jahre Vereinsgeschichte und
auf ein halbes Jahrhundert erfolgreiche Arbeit seit der Wiedergründung zurückblicken können.

Der erste Schießplatz war im Raibacher Tal eingerichtet worden. Wegen Besitzwechsels musste dieser Platz dann aufgegeben
werden. Anschließend schoss man von der Gaststätte Ohl´scher Berg bis zur Kelleranlage der ehemaligen Schwanenbrauerei
quer über den heutigen Geiersberg, ein Zustand, der vor allem bei fortschreitender Wohnbebauung wegen der damit verbundenen
Gefahren nicht lange aufrecht erhalten werden konnte. Nach einem weiteren Schießstand wieder im Raibacher Tal konnte
schließlich im Jahr 1926 ein Gelände in der Wächtersbach bezogen werden, das dem Verein von Freiherr von Wamboldt zu
Umstadt in Erbpacht überlassen wurde.

Der Besitzer des Geländes, auf dem das Schützenhaus stand, stellte uns dieses nach dem Krieg wieder zur Verfügung und im
Jahre 1955 konnte zur 1200-Jahrfeier der Stadt Groß-Umstadt die neue Anlage mit Schützenhaus als eine der ersten im
Schützenkreis Dieburg eingeweiht werden. Schützenhaus und Schießstandanlagen wurden bis zur Gegenwart mehrfach
umgestaltet, um den jeweils geltenden Anforderungen gerecht zu werden.

Während der inzwischen vergangenen fünfzig Jahre hat der Verein einige Erfolge auf Kreis-, Gau- und Landesebene in
fairen Wettkämpfen errungen. Das vor rund 40 Jahren ins Leben gerufene alljährlich stattfindende offene Pokalschießen
für die Groß-Umstädter Ortsvereine erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Ein Pokalwettkampf, der mit unserem
Sächsischen Partnerverein Rödelbachtal ausgetragen wird, hat seit nunmehr rund zehn Jahren Tradition. Auch mit
Sportschützen aus Bönigen in der Schweiz haben wir uns schon mehrfach gemessen.

Der Schützenverein hat bald nach seiner Wiedergründung über hundert Mitglieder erreicht. Diese Zahl blieb in den vergangenen
50 Jahren annähernd konstant. Sie setzt sich zusammen aus rund 50 % Angestellten, etwa 40 % Selbständige Unternehmern
(Geschäftsleute, Fabrikanten, Apotheker, Ärzte, Rechtsanwälte) und 10 % Schülern, Studenten und Hausfrauen, die selbst
Schießsport betreiben oder diesen Sport fördern. Sorge bereitet seit einiger Zeit der Altersaufbau des Vereines, was schon
aus dem geringen Anteil von Schülern und Studenten deutlich wird. Die Tatsache, dass derzeit fast alle Vereine mit diesem
Problem zu kämpfen haben, kann nicht zufrieden stellen. Selbstverständlich ist der Schützenverein 1862 e.V. Groß-Umstadt
Mitglied im Schützenkreis Dieburg, im Hessischen Schützenverband und im Deutschen Schützenbund. Er beteiligt sich an von
diesen Organisationen getragenen Aktivitäten. Darüber hinaus pflegt der Schützenverein 1862 e.V. Groß-Umstadt eine enge
Freundschaft zum Schützenverein Rödelbachtal in Kirchberg in Sachsen. Nach dem Zusammenbruch des DDR-Regimes wurde
dieser Schützenverein im Jahre 1990 gegründet. Im Zuge der neu entstandenen Partnerschaft zwischen den Landkreisen
Darmstadt-Dieburg und Zwickauer Land wurden auch Partnerschaften zwischen Sportvereinen und z. B. Feuerwehren angeregt.
So übernahm unser Schützenverein zunächst eine Patenschaft für den neu gegründeten Verein im Erzgebirge schenkte diesem
vier Scheibenzug-Anlagen für einen 50 m-Schießstand und man besuchte sich gegenseitig mehrfach. In 12 Jahren ist aus diesen
Anfängen ein sehr aktiver Schützenverein in Sachsen geworden, der inzwischen über gut ausgerüstete Schießstände verfügt.
Aus der Patenschaft hat sich eine herzliche Freundschaft entwickelt, die jährlich zwei Pokalwettkämpfe austrägt, einen in Kirchberg,
einen in Groß-Umstadt. Dazu gehört jeweils ein Beiprogramm, das den Gästen die Heimat des gastgebenden Vereines näher bringt.
Eine weitere herzliche Freundschaft verbindet den Schützenverein 1862 e.V. Groß-Umstadt mit den Sportschützen Bönigen im
Berner Oberland in der Schweiz.